Neue Entwicklung im GVZ könnte eine nie dagewesene Dimension bedeuten

16.08.2021

Es könnte ein Leuchtturmgroßprojekt mit enormer Strahlkraft werden:  Zahlreiche Investoren haben am Mittwochabend (11. August) während der Sitzung des Ausschusses für Gemeindeentwicklung ihre Konzepte, Ideen, Wünsche und Vorstellungen zu einer möglichen Ansiedlung im GVZ (Teilfläche Berlin West) in Brieselang dargelegt. Im Raum steht eine Investitionssumme in Höhe von rund einer Milliarde Euro.

Eine Erweiterung des Güterverkehrszentrums nördlich der Autobahn A10 ist in diesem Zusammenhang zumindest teilweise vonnöten, falls unter anderem die Kommunalpolitik dem zustimmt. Bei den namhaften Unternehmen handelt es sich um Riesen wie Edeka, Lidl, EON, Fiege, Trigon, Garbe, die Leipziger Stadtwerke sowie um St. Gobain. Entstehen könnten mehr als 1.500 Arbeitsplätze. Obgleich nichts in Stein gemeißelt ist, käme eine Ansiedlung in finanzieller Hinsicht vor dem Hintergrund von jährlichen Gewerbesteuereinnahmen in Millionenhöhe einem gewaltigen Gewinn für die Gemeinde Brieselang gleich, der in Zukunft Spielraum schaffen könnte. Kein Wunder: Bürgermeister Ralf Heimann steht voll und ganz hinter dem Projekt. „Die Gemeinde Brieselang hat in Zukunft einen riesengroßen Kapitalbedarf. Wir wollen und müssen Investitionen nachholen. Ich halte das Projekt für existenznotwendig“, betonte er. 

 

GVZ neue Entwicklungen

 

Im GVZ in Brieselang, das bislang zur rund 50 Prozent ausgelastet ist, könnte es also neue Entwicklungen geben. Die Sitzung des Gemeindeentwicklungsausschusses war ein erster Aufschlag, mehr aber noch nicht. Doch das, was die Unternehmen gerne umsetzen wollen würden, ist für die Gemeinde Brieselang eine Dimension, die es bislang noch nie gegeben hat – natürlich unter der Voraussetzung der Umsetzbarkeit, die nun vielseitig geprüft werden muss. „Es gibt noch eine Reihe von Fragezeichen“, sagte deshalb auch Uwe Gramsch, Leiter des Bauamtes. Fakt eins: Die Reaktivierung des vorhandenen GVZ ist quasi notwendig, da kein Planungsrecht besteht, also auch keine Beschlusslage zu einem B-Planentwurf existiert. Deshalb plädiert Gramsch zunächst für eine Festlegung der ganzheitlichen Ziele der Gemeinde, sowohl für das gesamte Gewerbegebiet als auch gegebenenfalls für die Erweiterungsflächen nördlich der Autobahn, um auch dort Baurecht zu schaffen, Fakt zwei. Die Frage ist: „Will die Gemeinde eine Erweiterung, ja oder nein?“

 

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Weiterhin präferiert der Bauamtsleiter für die Erarbeitung von individuellen Lösungen für die einzelnen Investoren. Die Sicherung der Gesamtziele durch Verträge und Beschlüsse gilt als obligatorisch. Fakt ist weiterhin: Bei allem, was passiert, sind im Hinblick auf die „Interessen der Gewerbetriebe und der Anwohner immer Kompromisslösungen zu finden“, so Gramsch weiter. Vieles wurde bislang also nur andiskutiert und muss deshalb noch vertiefend erörtert werden. Ein Schulterschluss zwischen Land, Kreis und Gemeinde sei indes erforderlich. Positive Signale bei den übergeordneten Stellen gebe es, zumal es sich, sofern das Großprojekt umgesetzt wird, um ein zukunftsfähiges Gewerbegebiet handeln soll, etwa vor dem Hintergrund der Klimaneutralität und des Klimaschutzes, Stichwort zum Beispiel Energieversorgung. So soll ein Mehrwert geschaffen werde, so dass ein Vorzeigeprojekt für Region und das Land entstehen kann. Zur möglichen Umsetzung des Großprojektes selbst sagte Gramsch: „Das Projekt offenbart viele Chancen für die Gemeinde Brieselang. Die Umsetzung wird wahrscheinlich funktionieren - wenn wir es wollen!“

Natürlich wird es in kommender Zeit Diskussionen geben - etwa im Hinblick auf die Themen Lärm, eine avisierte Abholzung eines Teilbereiches des kleinen Waldes, (dieser wurde nach Untersuchungen als  stark schadhaft eingestuft und müsste ohnehin forstwirtschaftlich angefasst werden), die durch dreifache Aufforstung an anderer Stelle ausgeglichen werden muss, oder aber der Erweiterung des Gewerbegebietes und des damit verbundenen erhöhten Verkehrsaufkommens, das durch eine Ansiedlung von Edeka und Lidl als Logistiker zu erwarten ist. Eine Lärmschutzwand entlang der Autobahn, eine neue Autobahnauffahrt am Westfalendamm, das Thema Aufforstung oder aber ein zusätzlicher Regionalbahnhalt in Höhe Bredow Vorwerk sowie ein zusätzliches Güteranschlussgleis und die Nutzung eines Schiffsanlegers, sind überdies Forderungen der Verwaltung.

Abseits davon gilt ohnehin: Sorgen, Nöte und Wünsche der Bürger*innen sollen jedenfalls berücksichtigt und selbstverständlich auch ernst genommen werden. Während einer Bürgerinformationsveranstaltung, die am Dienstag ab 18 Uhr in der Sporthalle der ZeeBr@-Grundschule stattfinden wird, können sich Interessierte zu den Plänen im GVZ informieren und Fragen stellen. Die Verwaltung steht mit Bürgermeister Heimann und Bauamtsleiter Gramsch Rede und Antwort.

 

GVZ Erweiterung

 

Was aber haben die Unternehmen konkret vor? Neubauten im bestehenden GVZ wollen sowohl Fiege (zwei Halle: Fiege Consumer Goods und Fiege Health Care) als auch St. Gobain (Erweiterung des Gipswerks und der Lagerhalle) realisieren, das heißt sie wollen expandieren bzw. die Flächen erweitern. Diese sollen südlich der Autobahn entstehen, im Falle von Fiege sind das die Freiflächen beiderseits des Westfalendamms, im Falle von St. Gobain in Richtung Hafen.

Ganz neu im Brieselanger GVZ will sich etwa die Berliner Trigon Immobilien Holding GmbH etablieren. Geplant ist ein Rechenzentrum, das einen Energiebedarf in Höhe von rund 150 Megawatt für den Betrieb benötigt (etwa eineinhalb so hoch wie die die Stadt Potsdam). Deshalb würde Eon eigens dafür auch ein Umspannwerk bauen. Vorverträge dazu existieren bereits. Trigon, die mit „Stratus“ aus Singapur einen Partner im Boot sitzen haben, benötigt dafür eine Teilfläche des kleinen Waldes.

Apropos Eon. Der Energieriese will Solaranlagen entwickeln und aufstellen. Auch die Leipziger Stadtwerke möchte mit Photovoltaikanlagen, die in der Umgebung der Autobahn errichtet werden sollen, Akzente setzen. Das Unternehmen Garbe -Industrial Real Estate- will als Entwickler und Vermieter für Unternehmensimmobilien auch in Brieselang in Erscheinung treten. Gebaut werden sollen auf der Grünfläche bei Amazon, nahe des Gliener Sees, zwei große Hallen.

Die beiden Supermarktflaggschiffe Edeka und Lidl wollen Versorgungszentren als Zentrallager für die Region errichten, um von Brieselang aus logistisch die Einzelhändler in Berlin, Brandenburg und etwa Teile Sachsen-Anhalts zu versorgen. Dazu müsste aber das GVZ erweitert werden und ein neuer Autobahnanschluss in Höhe des Westfalendamms gebaut werden. Der Großteil der Arbeitsplätze und des Investitionsvolumens würde allein auf diese beiden Unternehmen subsumiert werden können.

Was allen Unternehmen besonders wichtig ist: Sie benötigen Planungssicherheit. Das muss nun politisch bewertet werden. Sylke Wilde, Teamleiterin der Wirtschaftsförderung Brandenburg, „begrüßt die Entwicklung in Brieselang“. Sie hofft „auf Unterstützung durch die Kommunalpolitik“, wie sie betonte.

 

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Von der Landespolitik wiederum hat Peter Vida, der Fraktionschef der Freien Wähler im Landtag in Potsdam war vor Ort, eine klare Meinung zum Großprojekt: „Das Projekt hat eine Dimension, auf die Sie in Brieselang stolz sein können. Natürlich wird das nicht ohne Konflikte einhergehen können, allerdings hat das Projekt eine Reputation, ein Steueraufkommen und auch einen infrastrukturellen Input, der gewinnbringend ist. Notwendig ist es aus meiner Sicht aber, dass die Landespolitik begleitend agiert. Sie tun gut daran, das Großprojekt mit den Unternehmen und der Bevölkerung zusammen voranzubringen. Das wird Ihren Ort in einen Bereich bringen, der deutlich macht, für Innovationen offen zu sein. Alle Akteure müssen gemeinsam an einem Strang ziehen.“

Gramsch wiederum betonte: „Es gibt viele ungeklärte Fragen – etwa die Fragen nach den Grundstücken oder im Hinblick auf das Baurecht. Es ist nichts festgezurrt, sondern ein Prozess, der nun beginnen wird.“

 

Anmerkung: Die Präsentationen der Investoren sind auf der Internetseite der Gemeinde Brieselang genauso abrufbar wie der archivierte Live-Stream der Ausschusssitzung vom Mittwochabend, 11. August.

 

Link Präsentationen:

https://www.gemeindebrieselang.de/city_info/webaccessibility/index.cfm?modul_id=5&record_id=156664

 

Link GE-Sitzung:

https://www.gemeindebrieselang.de/city_info/webaccessibility/index.cfm?modul_id=5&record_id=156665

 

Quelle: Gemeinde Brieselang